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VideoproduktionFallstudie

So entsteht ein Imagefilm — Ein Blick hinter die Kulissen

15. Januar 2026Aktualisiert am 13. Juli 202616 Min. LesezeitVon Philipp Ritz
Videodreh in einer Produktionshalle — Kamerateam bei der Arbeit an einem Imagefilm
Inhaltsverzeichnis

Ein Imagefilm kann im fertigen Schnitt kompakt wirken, obwohl Vorbereitung, Dreh und Postproduktion deutlich umfangreicher waren. Dieser Artikel dokumentiert eine konkrete Produktion für einen mittelständischen Industriebetrieb in Ertingen: fünf Drehtage mit Früh- und Spätschichtmotiven, rund 1.150 GB Rohmaterial und mehrere Freigabeschleifen.

Die Zahlen stammen aus unserer Projektdokumentation und sind keine repräsentativen Branchenwerte. Andere Konzepte können mit einem Drehtag und deutlich weniger Material auskommen oder mehr Aufwand benötigen.

1. Werksführung und erste Konzeptgespräche

Jedes ernsthafte Imagefilm-Projekt beginnt nicht mit der Kamera, sondern mit Zuhören. Bevor wir auch nur eine Einstellung planen, verbringen wir typischerweise einen halben bis ganzen Tag im Unternehmen — bei diesem Projekt war es eine ausführliche Werksführung durch alle Produktionsbereiche in Ertingen.

Dabei geht es um mehr als ein Kennenlernen der Maschinen. Wir achten bewusst auf:

  • Welche Bereiche sind visuell stark? Wo entstehen Funken, wo bewegen sich große Maschinen, wo sieht man Präzisionsarbeit in Großaufnahme?
  • Wo sind die Menschen? Welche Mitarbeitenden arbeiten an welchen Stationen, wer wirkt natürlich vor der Kamera, wer lieber im Hintergrund?
  • Welche Geschichte erzählt das Unternehmen selbst? Welche Begriffe fallen immer wieder, welche Stationen werden mit Stolz gezeigt, wo wird ausgewichen?
  • Welche Prozesse sind zeitlich kritisch? Manche Fertigungsschritte laufen nur einmal pro Schicht — die müssen wir am Drehtag punktgenau treffen.

Parallel dazu führen wir mehrere Konzeptgespräche mit der Geschäftsführung und dem Marketing-Verantwortlichen. Drei Fragen stehen dabei im Zentrum: Wer ist die Zielgruppe? Welche Botschaft soll am Ende hängen bleiben? Und wo wird der Film später eingesetzt — Website, Messe, Social Media, Recruiting?

Erst wenn diese Antworten klar sind, beginnt die eigentliche Konzeption.

2. Konzeption, Skript und Storyboard

Aus den Gesprächen und den Eindrücken vor Ort entsteht im nächsten Schritt das Konzept — das Gerüst, das später durch die Bilder und den Sprechertext gefüllt wird. Bei diesem Projekt arbeiteten wir mit einer erfahrenen Copywriterin zusammen, die die komplexen technischen Prozesse in eine verständliche, emotionale Erzählung übersetzt hat.

Der Prozess sah in etwa so aus:

  • Tag 1–3: Sichtung aller Notizen aus der Werksführung, Auswertung des Marken- und Tonalitätsleitfadens, Definition der Kernbotschaft.
  • Tag 4–7: Erster Skriptentwurf inklusive grober Szenenliste — welche Bilder sollen welche Aussagen tragen?
  • Tag 8–10: Storyboard und Shotlist. Hier wird festgelegt, welche Einstellung in welcher Reihenfolge gedreht wird, welche Brennweite, welcher Kamerawinkel, welche Bewegung.

Nach etwa zehn Tagen ging der erste Entwurf an das Unternehmen. Zwei Korrekturschleifen sind dabei normal — bei Fachbegriffen, internen Bezeichnungen oder besonderen Produktionsdetails kennt der Kunde sein Geschäft immer besser als wir. Wichtig ist, dass am Ende ein Skript steht, das alle Beteiligten verstehen und freigeben.

Dieses Skript ist später am Drehtag das wichtigste Dokument überhaupt: Es entscheidet, welche Einstellungen wir brauchen, welche Mitarbeitenden wann verfügbar sein müssen und in welcher Reihenfolge gedreht wird.

3. Synchronsprecher, Tonalität und Casting

Stimme, Tempo und Tonalität beeinflussen den Eindruck eines Films. Bei diesem Projekt wünschte sich der Kunde eine seriöse, ausdrucksstarke männliche Stimme. Wir nahmen drei Sprecher in die engere Auswahl, ließen Demos mit dem konkreten Skript erstellen und entschieden gemeinsam.

Die Aufnahme fand in einer akustisch behandelten Studioumgebung mit direkter Sprachregie statt und benötigte einschließlich Alternativ-Takes etwa zwei bis drei Stunden. Das ist ein Projektwert, keine feste Dauer pro Film.

Wir nahmen die Sprache vor dem Feinschnitt auf, damit Bildrhythmus und Pausen darauf abgestimmt werden konnten. Bei anderen Konzepten kann die Reihenfolge abweichen, etwa wenn Interviews oder vorhandenes Material die Erzählung bestimmen.

4. Drehplanung und Equipment

Bevor das Team mit Equipment vor Ort einrückt, steht die Drehplanung. Bei diesem Projekt umfasste sie:

  • Eine Shotlist mit rund 120 geplanten Einstellungen, sortiert nach Drehort und Tageszeit.
  • Einen Drehtagesplan mit konkreten Zeiten — wann ist welche Maschine in Betrieb, wann hat welcher Mitarbeitende Zeit, wann wechselt die Schicht?
  • Eine Risikoliste — bei Industriedrehs Pflicht: Sicherheitsschuhe, Helme, Schutzbrillen, Abstand zu beweglichen Teilen, Funkenschlag bei Schweißarbeiten.
  • Ein Equipment-Setup je Tag, damit nichts vor Ort fehlt und wir nicht zwischendurch nachladen müssen.

Zum Equipment für diesen Dreh gehörten: zwei spiegellose Vollformat-Kameras (Hauptkamera und B-Cam), drei Festbrennweiten plus ein Cine-Zoom, ein Gimbal für Bewegtaufnahmen, ein Slider für ruhige Fahrten, ein professioneller Drohnen-Aufbau für Außenaufnahmen, mehrere LED-Panels mit Diffusoren für gezielte Lichtsetzung, zwei Funkmikrofone und ein Richtmikrofon für O-Töne sowie Stative, Magic Arms und Recorder. Insgesamt rund 12 Cases Equipment, die täglich auf- und wieder abgebaut wurden.

5. Fünf Drehtage vor Ort

Der Dreh selbst lief über fünf Tage in Ertingen. Jeder Drehtag folgte einem ähnlichen Rhythmus:

Tag 1 — Außenaufnahmen und Drohnenflüge: Früh am Morgen, weil das Licht weicher ist und die Drohne weniger Wind hat. Hier entstanden die Establishing-Shots — Luftaufnahmen des Werks, Einfahrt, Außenansichten der Produktionshallen.

Tag 2 — Fertigung Teil 1: Großaufnahmen der Maschinen in Betrieb. Hier ist Geduld gefragt: Eine einzige Detailaufnahme einer rotierenden Spindel kann mehrere Anläufe brauchen, bis Fokus, Licht und Bewegung perfekt zusammenpassen.

Tag 3 — Mitarbeitende und Interviews: Geführte O-Töne mit Geschäftsführung und Schlüsselmitarbeitenden, jeweils im Setting ihres Arbeitsplatzes. Wichtig: zwei Kameras gleichzeitig (eine totale, eine nahe), damit der Schnitt später Spielraum hat.

Tag 4 — Fertigung Teil 2 und Logistik: Spezialprozesse, Qualitätskontrolle, Versand. Hier wurde besonders viel Material gedreht, weil viele dieser Sequenzen später nur Sekunden im Schnitt bekommen.

Tag 5 — Reserve, Nachdrehs und Beauty-Shots: Bewusst eingeplant. An jedem Dreh fallen Einstellungen weg, die nicht funktionieren — der Reserve-Tag fängt das auf.

Am Ende standen 1.150 GB Videomaterial, verteilt auf zwei gespiegelte SSDs. Direkt am Drehtag legten wir parallel ein Backup auf eine externe Festplatte an — bei Industriedrehs ist Datenverlust keine Option.

6. Datensicherung, Sichten und Auswahl

Sobald das Team aus Ertingen zurück war, begann die unsichtbare, aber zeitaufwendige Phase: Sichten und Sortieren. Bei 1.150 GB Rohmaterial dauert das gut zwei bis drei volle Arbeitstage.

Der Ablauf in der Praxis:

  • Alle Karten wurden auf zwei voneinander getrennte Storage-Systeme kopiert (Working Drive plus Backup).
  • Das Material wurde nach Drehtag, Szene und Kamera benannt und in Bins sortiert.
  • Anschließend jede Einstellung einmal gesichtet, mit Sternen-Rating bewertet und mit Stichworten markiert (z. B. 'Maschine läuft', 'Funkenflug', 'Interview GF', 'unbrauchbar — Fokus').

Das Ergebnis: aus rund 120 geplanten Einstellungen plus zahlreichen Spontanaufnahmen blieben etwa 200 Takes übrig, die für den Schnitt überhaupt in Frage kamen. Davon landen am Ende meist 40 bis 60 im fertigen Film — ein typisches Verhältnis.

7. Schnitt, Musik und Sound-Design

Mit dem fertigen Sprechertext und dem sortierten Material beginnt der Schnitt — das Herzstück der Postproduktion. Bei diesem Projekt arbeiteten wir in mehreren Phasen:

Rohschnitt (3 Tage): Wir legen den Sprechertext auf die Tonspur und bauen darunter eine erste Bildebene. Ziel: die Erzählung trägt, die Sequenzen ergeben Sinn. Optik ist hier zweitrangig.

Musiksuche (1–2 Tage): Wir hören uns durch lizenzpflichtige Musikbibliotheken (Artlist, Musicbed, Epidemic Sound) und schlagen dem Kunden drei bis fünf Tracks vor. Die Musikwahl beeinflusst den gesamten Schnittrhythmus, deshalb passiert das vor dem Feinschnitt.

Feinschnitt (4–5 Tage): Hier wird jede Einstellung framegenau auf den Beat geschnitten, Übergänge werden gesetzt, Tempi werden variiert. Aus dem Rohschnitt wird ein Film.

Color Grading (1–2 Tage): Jede Sequenz bekommt eine konsistente Farbwelt. Bei Industriedrehs heißt das oft: leichte Entsättigung, kühlere Schatten, ein definierter Look für die Werkshalle, ein wärmerer Ton für die Interviews.

Sound-Design (2 Tage): Atmo-Spuren werden hinzugefügt — leise Maschinengeräusche, Schritte, Hintergrundatmosphäre. Sprecher wird gemastert. Musik wird in der Lautstärke an den Sprecher angepasst.

Korrekturschleifen mit dem Kunden: Zwei bis drei Feedbackrunden sind Standard. Wichtig: konkretes, timecode-genaues Feedback ('Bei 01:23 ist der Schnitt zu hart') beschleunigt diese Phase enorm.

Die Timeline des kompletten Imagefilm-Projektes in der Postproduktion.
Die Timeline des kompletten Imagefilm-Projektes in der Postproduktion.

8. Bilder für Social Media und Werbeanzeigen

Parallel zum Videodreh entstanden über 1.000 Fotos — eine bewusste Entscheidung, weil ein Drehtag ohnehin am Set ist und gutes Bildmaterial später für Website, Social Media und Werbeanzeigen Gold wert ist.

Aus diesen 1.000 Aufnahmen wählten wir gemeinsam mit dem Kunden 100 bis 200 Bilder aus. Jedes davon wurde:

  • in der Belichtung korrigiert
  • farblich an den Look des Films angepasst
  • je nach Verwendung in mehrere Formate exportiert (16:9 für Website, 4:5 für Instagram-Feed, 9:16 für Reels und Stories)
  • mit Retusche versehen, wo nötig (störende Hintergrundobjekte, Reflexe in Schutzbrillen, Logos auf Kleidung)

Das Ergebnis ist ein konsistenter Bildbestand, der für die nächsten Monate Website, Newsletter, Social-Media-Posts und Anzeigen versorgt — ohne dass für jede Kampagne neu produziert werden muss.

Professionelle Business-Fotos, die parallel zur Imagefilm-Produktion entstanden.
Professionelle Business-Fotos, die parallel zur Imagefilm-Produktion entstanden.

9. Abnahme, Auslieferung und Einsatz

Die letzte Phase ist die offizielle Abnahme. Der Kunde bekommt den Film in einem geschützten Vorschau-Link, kann ihn so oft ansehen wie nötig und gibt finales Feedback. Nach der Freigabe liefern wir typischerweise mehrere Versionen aus:

  • Hauptfassung 3–4 Minuten in 4K für Website und Messe
  • 60-Sekunden-Kurzfassung für LinkedIn und YouTube-Pre-Rolls
  • 30-Sekunden-Teaser für Meta-Ads
  • Mehrere 9:16-Schnitte (15 s, 30 s) für Reels, Stories und TikTok
  • Untertitel-Versionen mit Open Captions, damit der Inhalt auch bei stummem Autoplay und für Menschen mit Hörbeeinträchtigung verständlich bleibt

Dazu kommen die Master-Dateien zur Archivierung sowie eine kuratierte Foto-Auswahl in mehreren Formaten. Erst wenn alles ausgeliefert ist und der Kunde grünes Licht gibt, ist das Projekt offiziell abgeschlossen.

10. Was so ein Projekt zeitlich und finanziell bedeutet

Bei dieser Produktion lagen zwischen Briefing und Auslieferung rund acht bis zwölf Wochen. Darin enthalten waren mehrere Wochen für Konzept und Freigaben, fünf Drehtage sowie Postproduktion und Korrekturen.

Für ähnlich umfangreiche Projekte verwenden wir in der frühen Planung je nach Crew, Drehtagen, Fremdleistungen, Postproduktion und Formaten grob 12.000 bis 35.000 €. Das ist ein eigener Kalkulationsrahmen und kein Marktmittelwert. Eine feste Kostenquote für Konzept, Dreh oder Postproduktion gibt es nicht; das Angebot sollte die tatsächlichen Arbeitspakete transparent ausweisen.

Fazit

Ein Imagefilm ist keine Spontanproduktion, sondern ein Projekt, das über mehrere Wochen sauber geplant, koordiniert und produziert werden will. Wer den Prozess von der Werksführung bis zur finalen Abnahme einmal mitgemacht hat, versteht: Die unsichtbare Arbeit — Konzept, Drehplanung, Sichten, Schnitt, Sounddesign — macht den Film am Ende stark.

Und genau deshalb wirkt ein gut produzierter Imagefilm später so mühelos. Weitere Informationen zu unserer Videoproduktion finden Sie auf der Leistungsseite — oder direkt unverbindlich über unser Kontaktformular.

Dieses Video wird von YouTube bereitgestellt. Beim Laden werden Daten an Google übertragen.

Schnell geklärt

Häufig gestellte Fragen

Wie viel Rohmaterial entsteht bei einem Imagefilmdreh?

Bei umfangreichen Produktionen können mehrere hundert Gigabyte entstehen. Bei unserem Industrieprojekt waren es 1.150 GB in fünf Drehtagen, verteilt auf zwei gespiegelte SSDs.

Wie lange dauert eine komplette Imagefilm-Produktion?

Bei diesem Projekt waren es rund 8 bis 12 Wochen. Andere Produktionen können je nach Konzept, Verfügbarkeit, Freigaben, Drehtagen und Korrekturschleifen deutlich kürzer oder länger dauern.

Warum waren hier fünf Drehtage nötig — geht das nicht an einem Tag?

Die Motive lagen in unterschiedlichen Schichten und Bereichen; hinzu kamen Interviews, Außenaufnahmen und Reserve. Ein anderes, enger gefasstes Konzept kann an einem Tag entstehen. Umfang und Ziel entscheiden.

Braucht man einen professionellen Sprecher?

Nicht zwingend. Interviews, Mitarbeitende, Texttafeln oder reine Atmosphäre können ebenfalls passen. Ein Sprecher ist sinnvoll, wenn das Konzept eine geführte Erzählung benötigt; Auswahl und Rechte werden projektspezifisch geregelt.

Wie wird die Musik für einen Imagefilm ausgewählt?

Wir hören uns durch lizenzierte Bibliotheken (Artlist, Musicbed, Epidemic Sound) und schlagen drei bis fünf Tracks vor. Die Musikwahl bestimmt den Schnittrhythmus, deshalb investieren wir ein bis zwei Tage allein in die Auswahl — vor dem Feinschnitt.

Welche Versionen bekommt der Kunde am Ende?

Üblicherweise eine 3–4-minütige Hauptfassung in 4K, eine 60-Sekunden-Kurzfassung, einen 30-Sekunden-Teaser für Ads, mehrere 9:16-Schnitte für Reels und Stories sowie Untertitel-Versionen für Social Media ohne Ton.

Was kostet eine Imagefilm-Produktion in dieser Größenordnung?

Vergleichbare Produktionen liegen typischerweise zwischen 12.000 und 35.000 €. Etwa 50 bis 60 % der Kosten entstehen nicht am Drehtag, sondern in Konzept und Postproduktion — dort wird die Qualität entschieden.